Was bedeutet Yoga?

Was bedeutet Yoga?

Das Wort Yoga bedeutet „Vereinigung“ und „Joch“.

Jeder Mensch strebt tief in der Seele nach unbeschränkter Freiheit, nach innerem Frieden, um die Vereinigung mit dem EWIGEN zu erreichen. Der Yogaübende geht diesen Weg in vollkommener Bewusstheit. Er dient der Welt in bedingungsloser Liebe, Hingabe, Wahrheit und Weisheit.

Der Yogapfad ist ein Weg der Erkenntnis, welcher Disziplin und vollkommene Selbstbeherrschung verlangt. Ablenkung, Bequemlichkeit und Trägheit sind die grössten Feinde. Durch das System des Yoga beugt der Mensch diese Hindernisse unter sein Joch des Willens. So gewinnt er Macht über sich selbst.

Yoga führt zurück zur Natur, die in ihrer Befolgung von blinden Gesetzen, ein wunderbarer Spiegel für das Zusammenspiel der inneren und äusseren Kräfte ist. Wenn der Mensch diese Gesetze in sich selbst erkennt, kann er sie seinem Willen unterordnen und sie bewusst steuern. Erleuchtete Meister wussten um diese Weisheit und begannen die nach Freiheit strebenden Mitmenschen einzuweihen. Diese Wissenschaft wurde fortwährend weiter entwickelt und so entstand die einzigartige, vollkommene Lehre Yoga.

Manche weise Meister verfügen über erstaunliche Fähigkeiten. Sie besitzen die vollkommene Kontrolle über ihr Nervensystem und sind dank dieser Selbstbeherrschung fähig, nach ihrem Willen die Leistung der körperlichen Organe, die Herztätigkeit sowie die Funktion ihres Verdauungssystems zu regulieren. Yoga kann – nach Erlangung einer gewissen Bewusstseinsstufe – es sogar möglich machen, das Leben zu verlängern. In den Bergen Indiens leben auch heute noch 700 – 800 Jahre alte Yogis. (Yesudian 1971: 24)

Das Phänomen der polaren Energien
In allen Lebewesen gibt es polare Gegensätze, wie Himmel-Erde, Männlich-Weiblich, Licht- Schatten, Sonne-Mond etc. Diese dualistischen Aspekte stehen einander gegenüber, trotzdem benötigen sie einander. Niemals kann nur eines alleine existieren.

Es gibt einen Sender und einen Empfänger, einen Gebenden und einen Nehmenden. Im Westen wird in der Regel dem Gebenden eine positive Energie und dem Nehmenden eine negative Energie zugeordnet. Im Sanskrit, der Ursprache der Inder, werden die positiven Ströme mit dem Ton HA bezeichnet, was SONNE bedeutet. Der negative Strom wird mit dem Laut THA bezeichnet – das bedeutet MOND. Demzufolge bedeutet Hatha-Yoga die beiden gegensätzlichen Energien ins Gleichgewicht zu bringen und somit die aktive und passive Seite des Menschen in den inneren Zustand der Einheit zu führen.

Auch die Erde hat einen positiven und einen negativen Pol, der sich im Menschen spiegelt. Der Wechsel unseres Atems, der pulsierende Herzschlag und der daraus entstehende Rhythmus beleben das ganze Universum. Im Gehirn, dort wo der Haarwuchs in spiraliger Wirbelform ansetzt, befindet sich der Sitz des positiven Pols. Der negative Pol befindet sich im letzten Wirbelknochen des Steissbeins. Das Rückgrat ist der Träger des Lebens. Solange zwischen den beiden Polen eine Verbindung besteht, lebt in unserer Empfindung der Körper. Ein vollkommenes Gleichgewicht zwischen den beiden Strömen bedeutet Gesundheit. Ein Ungleichgewicht der Ströme signalisiert Krankheit.

Die Herstellung des Gleichgewichts der beiden Lebensströme nennt man den Weg des Hatha-Yoga. (Yesudian 1971: 27-27)

„Niemals verlangt Yoga von uns die Aufopferung unserer Vernunft.
Yoga sagt bloss: Gebrauch sie noch tausendmal mehr.

Yoga fordert nicht das Aufgeben des tätigen Lebens.
Er sagt einfach: Sei tätig, wisse aber wie.

Yoga will keinesfalls, dass wir unseren Verstand beiseite schieben.
Er sagt nur: Unterscheide richtig und handle furchtlos.

Yoga erwartet nicht von uns, dass wir aus der Welt flüchten und uns
in den Himalaya zurückziehen sollen.
Er sagt: Die Zuflucht, die du suchst, findest du nirgends in der Aussenwelt.
Sie ist in dir.

Lass die stürmische Welt der Sinne hinter dir, erhebe dein Bewusstsein
zum Mittelpunkt deines Wesens und erkenne, dass hier allein jene Kraft,
dass hier allein jener Frieden und dass hier allein jene Zuflucht liegt,
wonach du sucht.

Yoga sagt: Verurteile die Welt nicht. Vergöttliche die Welt durch deine Taten,
reinige die Welt durch dein Gespräch und verherrliche die Welt durch deine Gegenwart.“ (Yesudian, 1961: 69)